Universitäres Leben und die Gesellschaft die du suchst.

Ein Zeitzeuge

Ich bin ein Student. Student einer Universität, wie es in Deutschland viele gibt. Einer Universität, die sich wie alle anderen auch im März 2020 von ihren idealen der freien Lehre verabschiedet hat. Monate lang waren Präsenzvorlesungen, Übungen, Praktika verboten, untersagt und in den digitalen Raum verbannt. Während viele Dozenten und Studenten es schweigsam, fügsam hinnahmen, regt sich der Widerstand.

Natürlich ist Widerstand gerade in der intellektuellen Welt eher die Ausnahme: dass fand bereits Hannah Arendt heraus, als sie nach dem 2. Weltkrieg über die Geschehnisse sinnierte, die dahin führten. Umso schöner ist es, dass man dank unserer vernetzten Welt schnell Andersdenkende treffen kann, wenn man nur weiß, wo man suchen muss.

Universitäres Leben

“Die geilste Zeit meines Lebens” erinnern sich viele, wenn sie im Memento ihrer Studienzeit schwelgen. Aber das konnte ich und meine Kommilitonen (noch) nicht kennenlernen. Während man zum Wintersemester noch mit der Wideraufnahme der Präsenzlehre gelockt wurde, war doch die düstere Gewissheit allgegenwertig, dass die Kampagne “Stay home, save lives”, in die Verlängerung gehen wird.
Es waren auch nur zwei Vorlesungen die ich Oktober 2020 besuchen konnte, ehe die Regierung wieder den Hammer in die Hand nahm – ihr einziges Werkzeug zum lösen von selbst geschaffenen Problemen. Es folgten 6 Monate Lockdown für die gesamte Gesellschaft. Der Campus war vollkommen verwaist, keine Menschenseele anzutreffen. Die Mensa war im Sparbetrieb, das Personal verbissen und frustriert. Wehe dem, der mit Maskenbefreiung statt Maske hereinkam. Die eigenen Kommilitonen haben sich mehrheitlich gleichgeschaltet, sie denken alle das selbe und akzeptieren Abweichungen nur bedingt. Oft gibt es statt Akzeptanz Ignoranz, Anfeindungen und Beleidigung.

Der Winter schwand, die ersten Frühlingsblüten platzten auf. Das Leben der Menschen begann wieder seine normalen Bahnen zu ziehen. Nur nicht das der Studenten, denn auch im Sommersemester waren, obwohl groß von der Leitung “grüne Hörsäle” angepriesen wurden, mehrheitlich keine Präsenzveranstaltungen gewünscht oder gestattet.
Menschen wurden in ihren besten Jahren ihres Lebensgefühls beraubt, ihre Würde mit Füßen getreten, sie weiterhin in die Isolation verbannt. Die psychosozialen Folgen und Schäden billigend in Kauf genommen. Das Leben der Vermeidung des Todes untergeordnet. Irrwitzig, nicht wahr? Aber unsichtbar für jene, die der kollektiven Psychose zum Opfer gefallen sind und ihren Schlächtern zu Füßen kriechen.

Der aufrechte Gang

Ich will über mein Leben selbst entscheiden. Das erfordert Kraft, wenn man in einer Gesellschaft lebt, die ein zu einer Mittelmäßigkeit knechten will, welche man selbst schon lang zu überflügeln meint. Avantgarde ist der schöne Begriff hierfür und wahrscheinlich sind es wir wenigen Studenten, die den avantgardistischen Gedanken in uns tragen und alles dafür geben müssen, ihn überleben zu lassen.
Gemeinschaft mit Studenten, die wahrhaft offen für andere Meinungen sind, sind hier genau der richtige Ort um diese Kraft zu schöpfen. Deswegen entschloss ich mich jenen Studenten anzuschließen, welche Aufstehen, welche “Nein” sagen zu all diesem Wahnsinn. Ich fand wundervolle Menschen, welche mir Halt gaben und Gehör schenken, gerade in dieser so merkwürdig Zeitgesellschaft mit der man von Tag zu Tag mehr fremdelt, wenn man sich nicht vom medialen Strudel der Angst mitreißen lässt.

Kraftspendende Momente

Während der aktuelle Sturm der Veränderung trotz der besten Stylingprodukte die Frisur zerwuschelt, ist es doch sehr erfreulich wenn sich Menschen vereinen und gemeinsam für ihre Ideale einstehen. So haben die StudentenStehenAuf neulich ihre erste Demo in Dresden gehalten und wir wurden mit dem besten Wetter, das der Oktober bieten kann, beglückt. Welche Kraft diese jungen Menschen mir geben, spürte ich intensiv auf dem Neumarkt: als wir Reden hielten, zu Danser encore tanzten, lachten, diskutierten und sich schöne Menschen noch schönere Blicke zuwarfen. Mach, was dir gut tut, lass dich nicht zwingen, erpressen und verstumme niemals! Steh auf und such die Gesellschaft, die wirklich zu dir passt!

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