Propaganda enttarnt

Auch diese Woche warfen die lokalen Propagandisten mit ihrem Artikel über die Spaziergänger Nebelkerzen. Eigene geistige Kompetenz verwandten sie dafür nicht, sondern übernahmen billig einen Artikel der Presseagentur DPA. Sehr durchschaubar titelt die Überschrift von Rechtsextremen und -radikalen. Das Bild zeigt einen Judenstern mit der Inschrift “Ungeimpft”. Jeder der sich nicht weiter damit beschäftigt, wird mit diesem stundenlang auf der Startseite prangenden Artikel unterbewusst gefüttert: Spaziergänger seien böse Extremisten. Das Titelbild des Beitrags kommt natürlich nicht aus Cottbus. Es geistert seit über einem Jahr durch die Presse, geschossen von einem DPA-Fotografen, um immer dann herausgeholt zu werden, wenn die Proteste anwachsen und medial nicht mehr ignoriert werden können. Eine Google-Bildersuche ergibt, das es in über 100 Presseartikeln mit dem immer selben Fokus verwendet wird. Die Artikel verkehren dabei absichtlich die Intention des Trägers, nämlich sich als Opfer einer Mehrheit wahrzunehmen, um eine spannende Kommunikationsregel einzuführen: ein (vermeintlich) böser Mensch sagt nur böse Dinge, da darf man ihm gar nicht zuhören, ganz gleich was er sagt. Eine Analyse. Was Sie gegen Propaganda tun können, erfahren Sie hier.

Analyse

1 Das Bild

Ein Judenstern als Armbinde, mit dieser Inschrift. Und dann noch in so einer stechend perfekten Bildqualität. Da dieses Bild bereits in vielen hundert Artikeln verwendet wurde, ist der Rahmen bereits gesetzt wurden: nicht der Hinweis des Trägers, Geschichte habe das Potential sich zu wiederholen, sondern es sei nur eine Schändung der Verstorbenen des Holocaust. Es erzeugt also einerseits Erinnerung an frühere Propagandartikel, die die Freiheitsbewegung allesamt primär negativ darstellen und andererseits erzürnt es den Leser über diese Randgruppe. Die Erzählung einer solchen Geschichte nennt man Narrativ.

2 Kontaktschuld – unliebsame Randgruppe benutzen

Rechtsextremisten, Radikale: Es wird kommuniziert, dass diese Gruppierung da sei. Das es sich in Wahrheit um maximal eine kleine Minderheit handelt, ist den Autoren egal. Die Aufmerksamkeit des Lesers wird weg vom Wesentlichen hin zu Randnotizen gelenkt, auf denen man dann umherreiten und die gesamte Gruppe delegitimieren kann. Das langfristige Ziel ist die Errichtung einer Sprachbarriere: es seien böse Menschen da auf der Straße, denen sollte man nicht zuhören. So kommt der treffende Begriff der gesellschaftlichen Spaltung zum tragen.

Zur Stärkung wird das rechtsextreme Bild und damit assoziierte Begriffe wie Demokratiefeindlichkeit häufig verwendet, damit durch diese Wiederholung das Narrativ beim Leser eingeprägt wird.

3 Sprachregeln – falsche Begriffe für die Zielgruppe verwenden

Es geht im Artikel um sogenannte “Corona-Demos”. Was ist bitte eine Corona Demo? Wird da für mehr Corona demonstriert? Blödsinn, natürlich sind es Anti-Regierungs-Demos oder Menschenrechtsdemos. Aber diese Worte können die Propagandisten nicht verwenden, da dies moralisch und gesellschaftlich akzeptierte Demonstrationen sind. Wer für die Einhaltung von Menschenrechten auf die Straße geht, kann kein so übler Mensch sein. Deswegen werden auch friedliche Interviews nicht veröffentlicht, um die legitimen Wünsche der Personen nicht nach außen zu kommunizieren.

Wenn man dann speziell auf die Spaziergänge schaut, sind es nicht einmal Demonstrationen. Es fehlt klar die Meinungsäußerung. Da laufen höchstens untereinander plauschende Leute durch die Stadt. Keine Veranstalter, keine Ordner, keine Plakate, keine Transparente oder Banner, keine Megafonrufe – keine Demo.

4 Inhalt durch PayWall blockieren

Der Inhalt des Beitrags rückt in seltenen Fällen die absichtlich verfehlte, reißerische Überschrift wieder zurecht. Revidiert und relativiert vorherige Aussagen im letzten Absatz. Das erfährt aber der Leser nicht, der nicht willens ist, für die Propaganda zu zahlen. So bleibt der reißerische Einstieg stehen. auf dem digitalen Papier, wie im Kopf der Website-Besucher.

Die Menschen danach

Der Leser der Propaganda wird sich im Gespräch mit einem freiheitsliebenden Menschen auf diese Armbinde und auf die Rechtsradikalen berufen. Ein geistiges Echo des Artikels. #PropagandaWirkt

Viele dieser Propagandaartikel vergiften unsere Gesellschaft. Würden Sie heute auf die Straße gehen und willkürlich Menschen befragen, was sie über diese Spaziergänger denken: ihnen würde der Querschnitt all dieser Artikel wie eine unappetitliche Knoblauchfahne entgegenwehen. Wenn Sie positiv auf die Menschen einwirken wollen, können Sie natürlich sich mal nach den Menschenrechtsfragen erkundigen. Menschenrechte stehen jedem zu, nicht nur gebooosterten Menschen. Was Sie hören werden, kann teils sehr heftig entmenschlichend sein.

Albrecht Müller, ehemaliges SPD-Mitglied und Bundeskanzlerberater unter Brandt hat gemeinsam mit Andrea Wolf-Schuler auf seiner Seite einen tollen Artikel verfasst, wie Sie Propaganda bekämpfen können.

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