Noam Chomsky über die mörderische Außenpolitik der USA – u.a. in Kuba, Panama, Chile, Kambodscha

Den 1. Teil des Interviews mit dem Jacobin Magazine «Der US-amerikanische Imperialismus wird sich kaum ändern» (1) – infosperber hatten die NDS Ihnen schon vorgestellt. Hier ist die noch um vieles spannendere Folge 2 – von Christian Müller vom InfoSperber übersetzt. Chomsky fragt: „Ziehen die USA aus ihrer teuren, mörderischen, aber erfolglosen Aussenpolitik jetzt die Konsequenzen?“ Und empfiehlt: «Statt zu terrorisieren ein humanitäres Programm zu starten». Das Interview enthält interessante Informationen und Einschätzungen der militärischen und politischen Gewalt im Umgang mit Kuba, Panama, Chile, Kambodscha, etc.. Es zu lesen, lohnt sich. Albrecht Müller.

Auf einige Passagen mache ich hier gesondert aufmerksam:

Zu Kuba und der Rolle unserer westlichen Medien sagt Chomsky:

Wirtschaftsblockade gegen Kuba als Bestrafung für Ungehorsam

Doch kommen wir zu Kuba: eine der schlimmsten Gräueltaten der Neuzeit. Die ganze Welt – im wahrsten Sinne des Wortes – ist entschieden gegen das, was wir tun. Die letzte Abstimmung bei den Vereinten Nationen fiel mit 184 zu 2 Stimmen zugunsten der Beendigung der Wirtschaftsblockade der Vereinigten Staaten gegen Kuba aus. Israel war das einzige Land, das mit den Vereinigten Staaten stimmte, weil es ein US-Vasallenstaat ist. Niemand sonst tat dies. Wurde darüber überhaupt berichtet?

Die Medien umgehen die Namen der Kriegsverbrecher, zum Beispiel von Kissinger

Noam Chomsky: Was ist mit Henry Kissinger? Er wird geehrt, obwohl er einer der schlimmsten Kriegsverbrecher der modernen Geschichte ist. Im Jahr 1970 folgte Kissinger loyal seinem Herrn Richard Nixon und übermittelte Befehle, die meines Erachtens in der Geschichte so vorher nie aufgetaucht sind. Die Befehle an die amerikanische Luftwaffe lauteten: «Massive Bombenkampagne in Kambodscha. Alles, was fliegt, gegen alles, was sich bewegt.»

Schauen Sie, ob Sie in den historischen Aufzeichnungen eine Entsprechung dazu finden – bei den Nazis, bei irgendjemandem. Und es waren nicht nur Worte. Es führte zu einer entsetzlichen, grausamen Bombenkampagne. Oder gehen Sie nach Indien. Henry Kissinger unterstützte die pakistanische Zerstörung von Ostbengalen. Eine gigantische Anzahl von Menschen wurde getötet, vielleicht eine Million oder sogar mehr. Und Kissinger drohte Indien mit Bestrafung, falls es wagen sollte, das Gemetzel zu stoppen. Was waren die Gründe dafür? Kissinger hatte einen Fototermin mit Mao Zedong in China geplant. Sie wollten sich treffen, die Hände schütteln und die Entspannung verkünden. Doch um dorthin zu gelangen, musste Kissinger Pakistan durchqueren. Und dieses ganze Gemetzel hat seinen Fototermin unterminiert.

Zu Kissingers Rolle in Chile 1973 ff

Und was ist mit Chile? Kissinger war der Mann, der sich für den Sturz der Regierung von Salvador Allende stark machte. Dabei ging er zweigleisig vor: Ein Weg war reine Gewalt – ein Militärputsch. Dann gab es eine sanfte Schiene: «Lasst die Wirtschaft aufschreien!» – es den Menschen wirtschaftlich unmöglich machen, zu leben. Nun, die USA bekamen schliesslich, was sie wollten, und errichteten 1973 eine brutale Diktatur. Der militärisch inszenierte Putsch fand übrigens ebenfalls an einem 11. September statt, er war also das erste Ereignis «9/11». Was im Jahr 2001 geschah, war das zweite «9/11» – wobei das erste 9/11 in Chile in jeder Hinsicht viel schlimmer war. Umgerechnet auf die Pro-Kopf-Belastung wäre es so, als wären bei unserem 11. September im Jahr 2001 30’000 Menschen auf der Stelle getötet und weitere 500’000 gefoltert worden. Eine Regierung wurde gestürzt, eine brutale Diktatur wurde errichtet, und Terror, Folter und Schrecken waren an der Tagesordnung. Und die USA feierten. Sie unterstützten die neue Diktatur mit Geldern. Verschiedene internationale Organisationen, die Allende Gelder vorenthalten hatten, taten dies nun ebenfalls. Die Neoliberalen, die in den letzten vierzig Jahren die Welt regiert haben, waren begeistert. Sie zogen in Chile ein, um die neue Regierung zu beraten. Selbst Friedrich Hayek, der moralische Führer des Neoliberalismus (und 1974 mit dem Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften ausgezeichnet, Red.) kam 1981 zu Besuch und sagte, er sei von der Freiheit unter Augusto Pinochet beeindruckt und könne keinen einzigen Menschen in Chile finden, der nicht der Meinung sei, dass es unter der Pinochet-Diktatur mehr Freiheit gebe als unter Allende. Offensichtlich konnte er die Schmerzensschreie aus der Via Grimaldi und anderen Folterkammern nicht hören. (Hayek besuchte Chile 1977 und 1981 und traf den Diktator General Augusto Pinochet persönlich. In einem Interview in der Zeitung «El Mercurio» vom 4.4.1981 verteidigte der Nobelpreisträger das System der Diktatur ausdrücklich, wenn sie zur Einführung einer «liberalen» Wirtschaftsordnung notwendig sei. Anm. der Red.) – Das war die Reaktion auf den ersten 9/11.

Ich bin sicher, dass es Dschihadisten gibt, die den zweiten 11/9, jenen im Jahr 2001, gefeiert haben. Wir halten sie deshalb für schrecklich. Aber wir selbst sind noch viel schlimmer. Hat irgendjemand am Jahrestag von 9/11 über 9/11 im Jahr 1973 gesprochen? Der erste 11/9 war viel schlimmer als das, was im September 2001 geschah.

Hier noch einmal der Link auf das gesamte Stück: infosperber.ch/politik/welt/statt-zu-terrorisieren-ein-humanitaeres-programm-starten/

Nachbemerkung Albrecht Müller:

Wie sich trotz dieses tödlichen und verbrecherischen Umgangs der USA mit anderen Völkern, der hier von Noam Chomsky eindrucksvoll und faktenreich geschildert wird, die Behauptung halten kann, mit diesem Land und seinen Regierungen verbinde uns eine Wertegemeinschaft, ist eigentlich nicht zu fassen. Aber in einem Teil, möglicherweise im größeren Teil der Meinungsführer unseres Landes, herrscht wahrscheinlich der gleiche Geist. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie im September 1973 der Putsch gegen Allende von deutschen meist konservativen Medien wie der FAZ und von deutschen Unternehmern und manchen Politikern der Union gefeiert wurde.

Bei dieser Gelegenheit möchte ich daran erinnern, dass das, was Chomsky die „sanfte Schiene“ im Umgang mit Chile nannte, in Naomi Kleins Schock-Strategie eindrucksvoll geschildert worden ist – wie die neoliberale Ideologie samt in Chicago ausgebildetem chilenischen Personal zusammen mit US-amerikanischem Personal nach Chile transferiert worden ist und dort als neoliberale „Reformen“ installiert wurden.

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