“Konformismus mit demokratischer Fassade”

Der Rezensent eines Buches auf faz.net am 27.10. wundert sich (hinter der Bezahlschranke):

»Nach siebzig Jahren: Das epochale Buch über die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden des französischen Historikers Leon Poliakov erscheint nun auch auf Deutsch. Doch warum dauerte das so lange?«

Dabei findet er zum Schluß die Antwort doch:

»Mit der Tätergesellschaft geht Poliakov deshalb hart ins Gericht: „Alles vollzog sich inmitten einer weitestgehenden Gleichgültigkeit. […] Die kollektive Zurichtung der Deutschen war bereits ausreichend vorangeschritten.“ Der Bruch mit der Vergangenheit sei nach 1945 ausgeblieben, denn selbst die Nachkriegsgeneration zeichne sich vor allem durch Konformismus aus, nunmehr „ein Konformismus mit demokratischer Fassade“.«

Zuvor nennt der Autor Poliakovs These, wonach es anfangs keinen genauen Plan zur Ausgrenzung und anschließenden Vernichtung der europäischen Juden und Jüdinnen gab:

»Vielmehr gewannen die Ereignisse eine Eigendynamik, so dass es keiner expliziten Anordnungen von oben mehr bedurfte, denn: „Zwischen den staatlichen Maßnahmen (wie den Nürnberger Gesetzen) und den Initiativen lokaler Machthaber oder auch einzelner Privatleute fand ein regelrechter Wettbewerb statt.“ Die Ideen zur sozialen Ausgrenzung der von den Nationalsozialisten als Juden definierten Menschen kannten keine Grenzen mehr und überboten sich gegenseitig. Im November 1938 schlug Joseph Goebbels laut einem Konferenzprotokoll vor, dass „den Juden verboten wird, deutsche Theater, Kinotheater und Zirkusse zu besuchen“, und Reinhard Heydrich plädierte zeitgleich dafür, „daß der Jude nicht Eigentümer von Kraftwagen sein darf, daß er aber auch nicht fahren darf, weil er damit deutsches Leben gefährden kann“…

Die Verfolgung und Ermordung der Juden waren aus seiner Sicht ein Ereignis, das die gesamte deutsche Gesellschaft betraf. „Deutsche Unternehmer und fleißige deutsche Techniker“ waren daran beteiligt, und erst ein „stillschweigendes Einverständnis der deutschen Bevölkerung und der Wehrmacht“ habe ihn ermöglicht. Mit der Tätergesellschaft geht Poliakov deshalb hart ins Gericht: „Alles vollzog sich inmitten einer weitestgehenden Gleichgültigkeit. […] Die kollektive Zurichtung der Deutschen war bereits ausreichend vorangeschritten.“ Der Bruch mit der Vergangenheit sei nach 1945 ausgeblieben, denn selbst die Nachkriegsgeneration zeichne sich vor allem durch Konformismus aus, nunmehr „ein Konformismus mit demokratischer Fassade“.«

Der Rezensent sieht keine Parallele zu heutigen Entwicklungen. Der Anzeigen-Algorithmus ist schlauer. Er bettet dies ein:

– Stichworte: Allgemein

Dieser Beitrag erschien zu erst auf: Corona Doks

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