Ein Kesselabend mit Freunden

Kommentar.

Ein Mondbeschienener Montagabend neigt sich dem Ende entgegen. Hundertschaften der Bundes- und Landespolizei wurden aus allen Teilen Ostdeutschlands herangekarrt. Man sah ein seit Tagen geplantes Schauspiel und am Ende bleibt die Gewissheit, dass wir siegreich sein werden. Niemand kann Menschenrechte und unsere Liebe zur Freiheit bezwingen!

Donnerstag, 13. Januar 2022:

Der Reihe nach: Wer war da mit einer gepanzerten Bundeslimousine und einer ganzen Heerschaar von Uniformiert-Bewaffneten im Stadthaus von Cottbus zu Besuch? Wurden hier bereits die kommenden Strategien besprochen? Klar war, Cottbus soll der Ort des Exempels sein, welches man an freiheitsliebenden Bürgern statuieren möchte. Spoiler: ist, wie so vieles der Politiker gescheitert.

Samstag, 15. Januar 2022:

Berichten zufolge ist die Polizeipräsenz merklich größer als an den Mon- und Samstagen zuvor. Die Durchsagen des Lautsprecherwagens weisen nun – einer neuen Strategie folgend – darauf hin, man sei nun auf einer verbotenen Demo. Eine Demo also – ohne Anmelder, Versammlungsleiter, Ordner, Banner, Transparente, Statements, Plakaten, Bühne, Megafone, Redner. Der am Mikrofon im Polizeiauto muss sich reichlich blöd vorkommen, so etwas vorzulesen. Was tut man nicht alles für ein paar tausend Euro im Monat.

Montag, 17. Januar 2022:

Seit Mittags karrt man aus ganz Ostdeutschland Bundespolizisten heran. Die Jungs fürs Grobe, frisch von der Uniformierungsschmiede – auf gehorsam gedrillt, paramilitärisch ausgestattet. Die alten Herren des Vereins hat man im Hintergrund gehalten. Als Kanonenfutter gegen die ach so gewaltbereiten Pastellfarbenträger und Muddis mit Kind kann man die nicht mehr verheizen. Gegen Abend sind alle eingetroffen und instruiert, einige sitzen noch behelfsmäßig mit Stadtplänen im Auto, andere daddeln auf ihrem Handy umher. Die Fahrzeuge wurden bereits in die geplanten Straßen für den Kessel geparkt, taktisch gut vorbereitet, um zur richtigen Zeit vorzuschießen, ein paar Passanten umzunieten und dann die Falle zuschnappen zu lassen. Dann hört man irgendwo noch “jetzt hier zumachen”.
Und so endete ein montäglicher Spaziergang recht schnell, nach dem man unglücklicher Weise in die enge Sprem abbog.

Was sagt das vorgehen über Politiker und Polizei aus?

Zuallererst bemerkt man: von Seiten der Politik will man mit uns nicht reden. Schon seit zwei Jahren gab es immer wieder die Aufforderung seitens des Widerstands, dass man uns anhören soll. Die unzähligen Angebote wurden abgetan und ignoriert. Man bließ lieber in die Propaganda-Tröte gegen uns. Das offenbart mehreres: Die Politik hat keine eigenen Argumente gegen unsere Standpunkte. Sie würden keine Debatte mit uns durchstehen, ohne zu versagen und das Gesicht zu verlieren. Daher auch der Griff zur Keule gegen die Bevölkerung – ein Schuss der sichtbar nach hinten losgeht, zeigt er doch, wie verzweifelt und unfähig die Politiker dieser Tage sind. Zweitens delegitimieren die Politiker sich selbst, wenn man den Aspekt der “Volksvertretung” betrachtet. Sie vertreten uns nicht, sie treten uns, genau wie unsere Rechte, Würde und Verfassung.

Die Uniformierten treten hier ganz offenherzig und willfährig als Erfüllungsgehilfe der Partikularinteressen des Regimes auf. Klar verfassungsfeindlich. Seit wann ist spazieren gehen so Gesellschaftsgefährdend, als das man solche Maßnahmen ergreifen dürfte? Galt nicht einst der Grundsatz des mildesten Mittels? Verrät ein Blick auf Wikipedia doch, dass Kessel gegen marodierende Mops eingesetzt werden können, um die öffentliche Sicherheit zu gewährleisten. Nicht gegen Fußgänger.

Tipps für einen guten Kesselabend:

Bereiten Sie sich darauf vor! Bringen Sie Sitzgelegenheiten mit, Tee, ein gutes Buch, Liedtexte. Es wird nun etwas dauern. Die wollen auch nichts besonderes, nur Ihre Personalien um Ihnen dann ein frei erfundenes und unhaltbares Ordnungswidrigkeitenverfahren anzuhängen. Sagen Sie höflich distanziert “Guten Abend” und Ihre Daten, mehr auf keinen Fall. Alles was Sie sagen, wird gegen Sie verwendet.
Allerdings können Sie mit Ihren Mitmenschen vor Ort reden, bauen Sie sich gegenseitig auf. Man muss sich von so einer natürlich unschönen Behandlung nicht den Abend oder den Widerstandwillen verderben lassen. Man sollte das beste daraus machen. Das Ziel dieser Verfassungsfeinde ist es ja, Ihre Moral zu schwächen. Lehnen Sie es ab, bleiben Sie positiv.

Kessel in Zukunft erkennen: die Uniformierten bleiben vor der Menschentraube stehen, versperren den Weg. Der Trott wird langsamer. Sie sind in einer von Häusern flankierten, engen Straße. Die perfekten Zutaten für einen guten Kessel! Wenn Sie das bemerken, rufen Sie laut “Kessel” das versteht mittlerweile jeder. Vermeiden Sie solche Situationen, nutzen Sie zum spazieren offene Flächen und beobachten Sie Fahrzeuge mit blauem Licht.

Das Beste zum Schluss:

Sturzbachartige Schweißausbrüche bei den Politikern und schlaflose Nächte sind es, die der einfache Mensch auf der Straße bei dem Politiker von heute hervorruft. Friedlich und mutig werden wir immer mehr. Kessel werden wir bald zum Tanzen, singen und Austauschen nutzen. Und am meisten freut mich persönlich der abschließende Sprechchor:

“Wir kommen wieder!”

Ich für meinen Teil geh bereits morgen (Dienstag, 18.1.) 19 Uhr wieder auf die Straße. Immerhin will Zeitgeschichte dokumentiert werden!

Share on xing
Share on telegram
Share on whatsapp
Share on twitter
Share on facebook
Share on linkedin

6 Antworten

  1. Den Sachbericht auf den Punkt gebracht – Danke. Bin dem Kessel entkommen, über Seitenwege wieder auf die Sprem. Im Widerstand erprobt – in DDR-Diktatur`[inkl. 3 STASI-IM’s zur „Betreuung“], natürlich exzellent 89 und seit 2017 kontinuierlich auf DER STRASSE + PLÄTZEN! Konsequent heute DI 18.01. 19:00 Spaziergang CB!! Es ist zwingend erforderlich – ein innerliches Verlangen gleichwohl ein Bedürfnis! BEVORMUNDUNG unerträglich – FREIHEIT unverzichtbar!!🇩🇪

  2. Dieser Bericht ist ein wichtiges Zeitdokument und ich hoffe dass wir in der Zukunft unseren Nachkommen die Geschichte besser vermitteln, dass sie in die Lage versetzt sind, die Zeichen der Zeit zu lesen, richtig zu deuten und entsprechend zu handeln. Erst dann verkommt der Spruch “Wehret den Anfängen” nicht wieder zu einer hohlen Phrase.
    Es gibt kein richtiges Leben im Falschen. (Th. Adorno)

  3. Hatte mich schon gewundert, wo die Schlümpfe am Montag in Hoyerswerda waren. Hatte man also alle nach Cottbus geschickt. In HY dagegen könnten wir uns frei bewegen. Hier hatten die alten Herren der Polizei den Spaziergängern den Weg geebnet, so als ob sie zu uns übergelaufen waren.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Ganz durch Tanz

„Diktatur ist möglich, wenn Menschen Ängste haben, weil sie dann nicht frei sind.“ Habe ich Angst, meine Bedürfnisse umzusetzen, bin

weiterlesen »

Kein Tag des Sieges

Nachdem nun wieder unzählige Reden der westlichen Marionettengarde zum Sieg über das nationalsozialistische Deutschland über uns ausgekippt wurden, nachdem die

weiterlesen »
Melde dich mit deinem Account an.

Feedback & Fehler

Hier können Sie uns Fehler melden oder Feedback geben.